Chronik

EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST

nach Ken Kesey und Dale Wasserman

deutsch von Ingeborg von Zadow

 

Gefangenentheater in der JVA Plötzensee

 

Premiere: 6. Dezember 2023

Vorstellungen: 6., 7., 8., 11., 13., 14., 15., 18. und 19. Dezember 2023 jeweils um 18 Uhr

 

Mit der diesjährigen Theaterproduktion in der JVA Plötzensee begibt sich aufBruch in die engen Mauern einer psychiatrischen Anstalt im Amerika der 60er Jahre, in der unter der Larve unerschütterlicher Güte die Krankenschwester Ratched mit eiserner Kontrolle das Leben der Patienten beherrscht: ein immergleicher Alltag, der Rhythmus wie ein Uhrwerk, die Stunden zäh und aussichtslos.

In die Einöde gedämpfter Verzweiflung und erstickter Stimmen schlägt ein Neuzugang ein wie ein Blitz: Randle P. McMurphy - Glücksritter, Spieler, ungebundener Lebemann. Mit schallendem Lachen und spielerischem Trotz widersetzt er sich der mechanisierten Ordnung. Das fragile Gleichgewicht ist gestört, die sorgfältig aufgebaute Ordnung erhält Risse. Seine Weigerung reißt die Patienten aus ihrer Starre und formt aus den einsamen Männern eine Gemeinschaft. Mehr und mehr begehren sie auf gegen ein erdrückendes System, das die Individualität im Namen von Ordnung und Vernunft erstickt.

Was für McMurphy als Spiel beginnt, schlägt um in bitteren Ernst, je mehr sich die Fronten verhärten. Es beginnt ein Kampf zwischen erdrückender Kontrolle und Freiheit des Einzelnen, der den Verlierer das Leben kosten wird.

 

Gemeinsam mit dem Ensemble der JVA Plötzensee stellt die Inszenierung Fragen nach der Natur der Vernunft und das Recht des Einzelnen auf Selbstbestimmung. Wie passt Individualität in ein System, das auf Ordnung und Bewahrung der Norm zielt? Doch was ist das, das Normale? Und wer erhält die Deutungshoheit und somit die Macht über die Verhaltensregeln in einer Gemeinschaft?

 

Ken Kesey, Ikone der amerikanischen Literatur- und Kulturszene, traf mit seinem Roman 1962 den Nerv einer Zeit, hin- und hergerissen zwischen kleinbürgerlicher Konvention und der Sehnsucht nach neuen Lebensformen. Aufgrund eigener Erfahrungen als Mitarbeiter einer psychiatrischen Einrichtung war Kesey davon überzeugt, dass die Gesellschaft das Individuum, das nicht in rigide Vorstellungen passt, in Institutionen sperre, anstatt sich mit dem komplexen Chaos der menschlichen Realität auseinanderzusetzen. McMurphy ist eine Figur wie geschmiedet auf dem Amboss der amerikanischen Mythologie. Sein Heldentum liegt in seiner Weigerung, seine Individualität dem erdrückenden Regime der Konformität zu überlassen. Er wird zum Archetyp des revolutionierenden Individuums, das die Fesseln der Anpassung herausfordert und es wagt, frei zu sein inmitten bedrängender Mauern.

 

„Es besteht die Möglichkeit, dass sich dieser Mann als Psychopath ausgibt, um der Schwerstarbeit im Arbeitslager zu entgehen“.

 



Eine Produktion von aufBruch KUNST GEFÄNGNIS STADT in Kooperation mit der JVA Plötzensee

 

 

Es spielt das Gefangenenensemble von aufBruch in der JVA Plötzensee:
Andreas Thomas, Dominic, Eren, Erik, Maxa, Nehad Fandi, Shero, Steven Mädel, Tobi Müller.

 

 

Regie Peter Atanassow Bühne Holger Syrbe Kostüme Haemin Jung Dramaturgie Franziska Kuhn Musikalische Einstudierung Alexandra Rossmann Video Pascal Rehnolt Produktionsleitung Sibylle Arndt Regieassistenz Nina Flemming Technik Lukas Maser Grafik Dirk Trageser

 

 

Tickets: 15 € / 10 € (ermäßigt)

 

nur im Vorverkauf ab Samstag, den 25.11.2023 um 11 Uhr

Online im aufBruch-Ticket-Shop

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz: Tel. 030 240 65 777 · Mo bis Sa 11 bis 18 Uhr

 

 

Achtung: In diesem Stück kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.

 

 

Gefördert durch Zuwendungsmittel der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz
Unterstützt durch die JVA Plötzensee, Justizvollzugskrankenhaus Berlin, JSA Berlin, JVA Tegel, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

 

 

Fotos: Thomas Aurin.
Jedwede Verwendung nur nach vorheriger Genehmigung durch aufBruch / Thomas Aurin.

www.thomas-aurin.de

Pressestimmen

Epos des individuellen Widerstands

 

Dem Gefangenentheater aufBruch gelingt in der JVA Plötzensee eine atmosphärisch dichte Inszenierung des Vor-68er-Klassikers „Einer flog über das Kuckucksnest“

 

von Tom Mustroph

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Wo das Theater ganz Theater ist

 

Zweimal „Einer flog übers Kuckucksnest“ und einmal großer Zirkus: Das aufregendste Theater in Berlin findet mit Behinderten und im Gefängnis statt. Das zeigen zwei Premieren und eine Dokumentation im ZDF. Warum grandiose Theatererlebnisse abseits des Mainstreams stattfinden.

 

von Jakob Hayner

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"EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST" - Premiere

Das Gefangenentheater aufBruch arbeitet seit zweieinhalb Jahrzehnten in Berliner Gefängnissen – erstens um den Gefangenen eine Abwechslung zu bieten, zweitens um Menschen von draußen Eindrücke vom Leben hinter Gitter zu vermitteln und drittens um die Gefängniswelt und die Außenwelt miteinander in Kontakt zu bringen. Gestern hatte in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee die Produktion "Einer flog über das Kuckucksnest" Premiere.

 

von Oliver Kranz

zum Beitrag

 

 
Spielort:
JVA Plötzensee / Kultursaal
Friedrich-Olbricht-Damm 17
13627 Berlin

Anfahrt:
S-Bahn 41/42 Beusselstraße,
Bus 106 & 123 Seestraße/Beusselstraße

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